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One-Shot-Abenteuer: Die vermissten Geliebten

”Wenn ich sie nicht haben kann, dann soll sie niemand haben!” - solche mitreißenden Zitate erinnern an ein Liebesdrama im Theater - man kennt es noch aus der Prä-Corona-Ära. Doch in dieser Aufführung gab es keine unbequemen Sitzpolster und keine zweitklassigen Schauspieler - sondern waschechte Held:innen in einem modrigen, alten Verlies.

Stephan von Lab of Loot1 hat neulich zu einer Online-Spielrunde Dungeons & Dragons in der 5. Edition eingeladen, um sein Homebrew-Abenteuer Die vermissten Geliebten zu leiten. Das unstillbare Verlangen nach Homebrew-Abenteuern machte auch vor unserer Gruppe nicht halt. Die Mehrheit der deutschen Spieler:innen teilt diese Präferenz, wie eine Umfrage neulich ergab. 2

Technisch setzten wir auf das bereits durch die Pandemie bewährte WhereBy. Als neues Element führte Stephan TaleSpire anstelle einer konventionellen D&D-Karte ein. TaleSpire ermöglicht das präzise Erstellen einer Szenerie in einem großartig aussehenden dreidimensionalen Raum. Schwere Zeiten erfordern eben schwere Maßnahmen, und der effektvoll gestaltete Dungeon sollte dieser Anforderung mehr als gerecht werden. Normalerweise wird TaleSpire von allen Spieler:innen auf ihrem Endgerät installiert, um selbstständig an dem Abenteuer teilnehmen zu können. In unserem TaleSpire-Debut sollte der freigegebene Bildschirm des Dungeon Masters genügen, damit nicht jede Spieler:in für den ersten Test knapp über 20,00 EUR investieren muss.

Das Liebespaar Arjun und Cirula wurde an einem Abend zum letzten Mal gesehen und gilt seitdem als vermisst. Die Held:innengruppe - bestehend aus Sulamé, Traugott v.B.h.l. , Sieben und Neramil - wurde gebeten, sich der Sache anzunehmen und auf den Grund zu gehen - wie in jedem guten One-Shot-Abenteuer wurde die Einleitung bewusst kurz gehalten, um den Held:innen gleich alle Handlungen zu ermöglichen. Die letzte Person, die die beiden an dem Abend gesehen hat, war ihr gemeinsamer Freund Trostjan, der der Gruppe mit einigen Informationen zur Seite steht.

Die grobe Richtung war klar: Es ging zu einer kleinen Felssammlung. Auf dem Weg dorthin entdeckten Sieben und Neramil dank ihres unvorhergesehenen Würfelglücks auffällige Fußspuren, denen die Gruppe prompt folge.

Es machte sich - zeitlich betrachtet - erstmalig die Vermutung bei den Spieler:innen breit, dass die angesetzte Zeit für einen One-Shot nicht ausreichen könnte. Die Hoffnung stirbt zuletzt: Bei einem spannenden Abenteuer dürfte niemand etwas gegen eine zweite Session haben.

Am Ende der Fußspuren angelangt stieß die Gruppe auf einen auffällig aussehenden Busch, der dort nicht hingehörte. Es brauchte keine besonders ausgeprägte Wahrnehmung - geschweige denn eine entsprechende Probe auf selbige - um zu erkennen, dass etwas im Busch ist. Badumtss. Solche Wortspiele sind die Spieler:innen schon aus anderen Runden gewohnt. Sprachliches Klimbim geht schließlich immer gut. Eine Luke unterhalb des Busches offenbarte den Zugang in ein Gewölbe, welches prächtiger nicht hätte aussehen können - an dieser Stelle kommt TaleSpire ins Spiel. Die hübsch gestaltete 3D-Kulisse fügt dem Spiel eine neue Ebene hinzu. Zwar ist die eigene Vorstellungskraft zur räumlichen Gestaltung etwas weniger gefragt - schließlich passiert etwas weniger im Kopf - dafür können einzelne, räumliche Details besser wahrgenommen und ins Spiel integriert werden. Wer bislang noch nicht mit seiner Rollenspielgruppe darüber philosophiert hat, ob ein großer, schmackhafter Laib Käse eine gute Waffe abgibt, kann sich von den Assets inspirieren lassen.

Der Hauptteil des Abenteuers beginnt. In den folgenden Encountern und Räumen gab es reichlich heldenhafte Kampf- und Spielzüge - im wahrsten Sinne des Wortes - zu bestaunen. Die Gruppe machte insgesamt eine gute Figur und große Würfelfehler bleiben folgenlos. Die Vermutung, dass die Zeit für das One-Shot-Abenteuers nicht ausreicht, hat sich wieder einmal bestätigt. So wurde der zweite Teil der Session auf einen anderen Termin verlegt. Die Vorfreude wurde trotz der recht langen Zeit dazwischen jedoch nicht getrübt.

Das gesamte Abenteuer ist auf YouTube verfügbar, die TaleSpire-Szene hat Stephan über TaleSpire veröffentlicht.

Erläuterungen


  1. Stephans YouTube-Kanal Lab of Loot. Auf YouTube ansehen.
  2. Umfrage auf dem Dungeons & Dragons-Deutschland-Discord-Server zum Thema Lieblingskampagne in D&D 5e. Homebrew führt das Ranking mit 155 Stimmen an, die Lost Mine of Phandelver liegt mit 62 Stimmen auf dem zweiten Platz. (Stand: 02.08., 08:30).


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